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Hospiz macht Schule

Berührungsängste gibt es zumindest nicht in der dritten Klasse der evangelischen Grundschule, so viel ist klar als Bestatter David Rost im Rahmen von "Hospiz macht Schule" geduldig die Fragen der Kinder beantwortet. „Macht dir dein Beruf Spaß“, fragt eines der Schulkinder. „Freude ja, Spaß eher nicht“, so die souveräne Antwort des Mannes im schwarzen Anzug.

„Bist du auch manchmal traurig bei einer Beerdigung“, will ein anderes Kind wissen. „Wir können mit der Traurigkeit der Menschen sehr gut umgehen und manchmal, ja, da bin ich auch traurig“, erklärt er seine Gefühle bei der Arbeit. Ein Mädchen hat gehört, das Verstorbene verbrannt werden und will wissen, ob das stimmt. David Rost erklärt mit freundlicher Stimme, dass Feuerbestattungen in neun von zehn Sterbefällen gewünscht werden und die Asche in der Urne dann auf dem Friedhof beigesetzt wird. Der Besuch des Bestatters ist eines der Programmpunkte, der für die Kinder am spannendsten ist, sagt Sandra Sippmann als Koordinatorin des Projektes Hospiz macht Schule. Vor 14 Jahren ist das Projekt, das sich mit dem Tod und dem Sterben beschäftigt, vom ehrenamtlichen Hospizdienst der Wichern Diakonie für dritte Klassen gestartet worden. „Jedes Kind hat schon einmal einen Verlust erlebt, entweder von Verwandten oder auch von lieb gewonnen Haustieren. Wir wollen den Kindern Fragen beantworten und Ängste nehmen“, erklärt Sandra Sippmann. Wenn in einer Elternversammlung, die vorbereitend für die besondere Schulwoche in der Regel stattfindet, den Eltern die Ängste vor dem Projekt genommen werden konnten, gibt es danach immer sehr positive Rückmeldungen der Familien über das Projekt Hospiz macht Schule. Es ist ein Gewinn für die ganze Familie. Jetzt nach zwei Jahren Corona Pause, kann es nun endlich weitergehen. Insgesamt geht das Projekt in jeder dritten Klasse der evangelischen Grundschule über fünf Tage. Dabei werden ganz verschiedene Themen behandelt. So sollen die Kinder Krankheiten pantomimisch darstellen oder sie malen Bilder über ihre Vorstellungen, was nach dem Tod kommt. „Einige sehen sich dabei auf einem Regenbogen oder schauen von einer Wolke herunter“, so Sandra Sippmann. Seit über 10 Jahren ist Gabriele Zaumseil als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizdienstes dabei und freut sich ebenfalls über den Neustart. „Die Unbefangenheit der Kinder hat sich in den letzten Jahren nicht geändert“, so ihre Erfahrung. Das zeigt sich auch, als die Kinder den Bestattungswagen per Handy rufen dürfen. Mit einem Kichern erklärt Carla, wo der Wagen hinkommen soll. Vor der Schule nimmt sich David Rost viel Zeit, das Fahrzeug zu erklären. Dann darf auch der Laderaum mit einem Sarg darin von den Kindern geöffnet werden. Der Bestatter demonstriert die verschiedenen Funktionen und die Kinder können auch mal die Rollos an den großen Seitenfenstern, im Fachjargon Schabracken genannt, hoch und wieder runterfahren. Das alles passiert sehr würdevoll. Als er den Kindern erlaubt, auch einen Blick in den Sarg zu werfen und ihn einige Zentimeter öffnet, gibt es große Augen. „Da liegt eine Rose drin“, bemerken einige Kinder aufmerksam. Für Bestatter David Rost ist dieses Projekt ein ganz besonderes und deswegen macht er auch weiterhin mit. „Ich denke, langfristig kann sich dadurch sogar die Bestattungskultur ein wenig ändern“, schaut er voraus. „Die Kinder wissen nach dieser Woche oftmals mehr über das Sterben und den Ablauf einer Bestattung als die Eltern. Etwa wie sich Hinterbliebene selbst in eine Trauerfeier einbringen können“. Wir wollen in jedem Fall in den nächsten Jahren das Projekt weiter anbieten, da wir erleben, wie wichtig es ist mit Kindern über die schweren Themen um Krankheit – Sterben – Tod und Trauer zu sprechen.“ Sagt Sandra Sippmann vom ehrenamtlichen Hospizdienst.

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